Fütterungstipps für das Pferd

Das 1 x 1 der Fütterung

Häufige Mahlzeiten

Das Volumen des Pferdemagens ist im Vergleich zu anderen Tierarten relativ klein, es beträgt nur etwa 15 Liter. Daher kann es bei großen Kraftfuttergaben zu Magenüberladungen oder Koliken kommen. Außerdem ist die Physiologie der Verdauung auf eine ständige Futteraufnahme eingestellt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass Pferde in der freien Natur 12 bis 16 Stunden am Tag fressen. Bei Fütterungspausen, die länger als 12 Stunden andauern, sinkt die Aktivität der Mikroflora im Darm bereits ab. Je häufiger also Heu und Kraftfutter zugeteilt werden, desto weniger belastet die Fütterung die Verdauungsvorgänge und desto besser können die Nährstoffe aufgenommen werden. Ideal sind automatische Futterautomaten für Rau- und Kraftfutter. Hier können bis zu 20 Portionen am Tag zugeteilt werden.
Ein Beispiel zur Einteilung der Tagesration:

  Raufutter Kraftfutter
Morgenfütterung 30 % 30 %
Mittagfütterung 25 % 30 %
Abendfütterung 45 % 40 %

Raufutter vor Kraftfutter

Um die Zerlegung der Nährstoffe in Gang zu bringen, wird im Magen ein Gemisch aus Sekreten abgegeben, darunter auch Salzsäure. Die Salzsäure senkt den pH-Wert im Magen deutlich ab. Dieser Vorgang ist notwendig, um die Enzyme und Bakterien zu aktivieren. Sinkt der pH-Wert aber unter ein bestimmtes Maß, wird die Magenschleimhaut angegriffen und kann bei chronischer Übersäuerung zerstört werden. Um dies zu verhindern, beinhaltet der Speichel eine sogenannte Puffersubstanz, das Bikarbonat. Zusammen mit der Nahrung gelangt der Speichel in den Magen und reguliert dort so den pH-Wert. Je höher die Kautätigkeit ist, desto mehr Speichel wird produziert und desto besser ist auch die Pufferwirkung. Vor allem Raufutter kauen Pferde gründlich und produzieren so genug Puffersubstanz, bei Kraftfuttergaben kaut das Pferd weitaus weniger, die Speichelproduktion ist geringer. Zusätzlich werden Stärke und Zucker der Getreidekörner zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut, die den pH-Wert des Nahrungsbreis im Magen weiter senken. Um das Absinken des pH-Wertes bei Kraftfutter zu mildern, sollte also zunächst Raufutter vorgelegt werden, um die Pufferwirkung ausreichend zu gewährleisten.

Wasser immer zur Verfügung

Wasser ist das wichtigste Nahrungsmittel. Ohne Wasser können wir Menschen in der Regel nicht länger als 3 Tage überleben, bei Pferden ist die Spanne nicht wesentlich länger. Wasser wird benötigt, um Nährstoffe zu transportieren, den Wärmehaushalt zu regulieren und Schadstoffe abzutransportieren. Die Funktion des gesamten Organismus ist von der Verfügbarkeit von Wasser abhängig. Daher sollte Wasser immer in ausreichender Menge und in bester Trinkwasserqualität vorhanden sein. Abgestandenes oder verunreinigtes Wasser kann die Gesundheit beeinträchtigen. Pferde sollten immer Trinkwasser zur Verfügung haben, welches der Temperatur der Umgebung angepasst ist. Sie vertragen kaltes Wasser im Winter besser als angewärmtes. Ebenso sollte im Sommer oder in erhitztem Zustand kein allzu kaltes Wasser angeboten werden.

Nicht vor dem Reiten füttern

Vor dem Reiten sollten keine Kraftfuttergaben verfüttert werden. Der Magen liegt beim Pferd unter der Sattellage. Die Füllung durch den Futterbrei genügt aufgrund des kleinen Volumens ein unangenehmes Druckgefühl entstehen zu lassen, wenn der Reiter sich in den Sattel setzt. Mit vollem Magen sollten auch wir Menschen keinen Sport treiben, denn die Verdauung benötigt einen guten Teil der Ressourcen des Körpers. Die letzte Kraftfuttergabe sollte somit bis zu 4 Stunden vor der Belastung liegen. Dadurch verbessert sich auch die Nährstoffausnutzung: Pferde können nur eine begrenzte Menge schnell verfügbarer Kohlenhydrate wie Glukose im Blut speichern, um sie für Höchstleistungen zu nutzen, der größte Anteil an Energie wird in Form von Fettdepots gespeichert. Wird die Kraftfuttergabe zeitlich genau abgestimmt, liegt der Blutzuckergehalt im optimalen Bereich für Höchstleistungen, beispielsweise für eine Springprüfung.

Langsame Futterumstellung

Die Verdauung wird vor allem im Darm von Enzymen und Bakterien bestimmt. Dort stellt sich die Mikroflora auf eine bestimmte, durch die Rationszusammensetzung festgelegte Nährstoffzufuhr ein. Kommt es zur plötzlichen Änderung des Nahrungsbreies, wenn etwa keine Anfütterung zur Weidesaison erfolgt, sondern die Pferde von heute auf morgen ganztägig Koppelzugang erhalten, ist die Mikroflora nicht in der Lage, die Nährstoffe zu verarbeiten. Es sind nicht genügend Bakterien der entsprechenden Art vorhanden. Dann kann es zum Absterben von Bakterien oder Fehlgärungen kommen. Die Folgen können Koliken, Durchfall, Kotwasser und weitere fütterungsbedingte Krankheiten wie Rehe sein. Eine langsame Umstellung der Gesamtration oder Teilrationen gibt der Mikroflora und den Enzymen Zeit, sich an die veränderte Situation anzupassen. Dann erst läuft die Verdauung reibungslos ab. Als unterstützend hat sich dabei der Wirkstoff Topinambur gezeigt, der zum Beispiel in unserem AMOFELA ProSana Müsli enthalten ist, und die positiven Bakterien im Darm fördert.

Bei der Umstellung von einer Müslisorte auf die andere kann man beispielsweise über mehrere Tage hinweg die Sorten mischen. Zunächst 20% der neuen Müslisorte, dann immer mehr vom ursprünglichen Futter ersetzen. Besonders vorsichtig sollte man bei der Umstellung von Hafer zu Gerste vorgehen. Die Stärke der Gerste weist im Gegensatz zu Hafer nur eine geringe Verdaulichkeit im Dünndarm auf. Somit gelangt mehr Stärke in den Dickdarm und muss von der Mikroflora verdaut werden. Nur bei einer schonenden Umstellung über mehrere Tage kann sich das Milieu darauf einstellen.

Aufnahmedauer beeinflussen

Wer kennt nicht den Begriff Haferschlinger? Besonders Kleinpferde scheinen ein besonders großes Bedürfnis zu haben, ihre Kraftfutterration in kürzester Zeit zu fressen. Aber auch die Großen können es manchmal nicht abwarten, den Eimer blank zu lecken. Dabei kann es zu Problemen wie Schlundverstopfungen kommen. Aber auch physiologisch gesehen ist das schnelle Verzehren großer Kraftfuttermengen nicht wünschenswert. Um die Aufnahme zu verlangsamen und die Kautätigkeit zu erhöhen, kann Raufutter untergemischt werden. Je nach Bedarf hilft dabei Stroh oder Heu. Gehäckseltes Stroh eignet sich dabei besonders gut, da es sich optimal einmischen lässt.

Ebenso kann die Aufnahme von zu viel Wasser an der Selbsttränke vermindert werden. Kommt das Pferd verschwitzt in die Box, sollte es zu Anfang nur moderate Wassermengen aufnehmen. Dies kann durch eine Auflage von Heu auf die Tränke erreicht werden. Das Heu sollte nach angemessener Zeit wieder entfernt werden, um Verunreinigungen der Tränke zu vermeiden und eine bedarfsgerechte Wasseraufnahme nach dem Abkühlen zu gewährleisten.

Lagerung von Kraftfutter

Besonders Müslifutter reagiert empfindlich auf übermäßige Temperaturschwankungen und Lichteinfall. Daher sollten Mischfutter vor Lichteinflüssen geschützt gelagert werden. Am besten an einem dunklen Ort, der sich im Sommer nicht übermäßig aufheizt. Durch hohe Temperaturen wird die Qualität des Futters vor allem durch den Verlust wichtiger Inhaltsstoffe beeinträchtigt. Auch die Haltbarkeit wird durch Schwankungen im Feuchtegehalt bei Wassereintrag oder durch hohe Luftfeuchtigkeit verkürzt.