Qualität von Heu

Qualität von Heu

Heu ist bis heute das wichtigste Grundfutter in der Pferdefütterung. Darum sollte es nur bei allerbester Qualität verfüttert werden. Welche Faktoren für die Produktion von gutem Heu notwendig sind und welche Qualitätsmerkmale zu beachten sind, liest du hier.

Bodenart

Grund und Boden ist die Grundlage jeglicher Produktion. Gerade im Bereich der Erzeugung von Futter entscheidet die Qualität des Bodens über die Qualität des erzeugten Grundfutters. Sandböden verfügen aufgrund der größeren Körner nur über eine geringes Wasser- und Nährstoffhaltevermögen, sind aber leichter zu bearbeiten. Dagegen können Tonböden durch die dichte Lagerung der Körner große Mengen an Wasser und Nährstoffen speichern. Tonböden bezeichnet man als schwere Böden, die nur mit entsprechend großem Arbeitsaufwand bearbeitet werden können. Lehmböden vereinigen die positiven Eigenschaften von schweren und leichten Böden, sie sind verhältnismäßig gut zu bearbeiten und können Nährstoffe und Wasser gut speichern.

Auf nährstoffreichen, gut durchwurzelbaren Böden gedeihen Pflanzen besonders gut, da ihre Wurzeln leicht die im Bodenwasser gelösten Nährstoffe erreichen und aufnehmen können.

Demnach sind Wiesen und Weiden auf fruchtbaren Standorten deutlich „fetter“ und ernährungsphysiologisch wertvoller als der Aufwuchs schlechter Standorte. Böden, die alle Nährstoffe in ausreichendem Maß enthalten, bringen hohe Erträge mit ausreichenden Mineralstoffgehalten hervor. Liegt jedoch bereits im Boden ein Nährstoff wie beispielsweise Selen defizitär vor, fehlt dieser später auch in der Pflanze.

Saatmischung

Die Saatenmischung, mit der eine Wiese neu eingesät wird oder der bisherige Bestand verbessert wird, bestimmt die Zusammensetzung des späteren Pflanzenaufwuchses. In der modernen Landwirtschaft stehen viele verschiedene Sorten von Gräsern, Kräutern und Leguminosen zur Verfügung, die in ihren Gehalten und Eigenschaften genau auf die Anforderungen der Nutzung abgestimmt sind. So sollte eine Ansaat, die zur Nutzung als Pferdeheu bestimmt ist, nicht übermäßig viel Klee enthalten, da dieser sehr eiweißreich ist. Generell sollte bei einer Heuwerbung auf einen geringen Blätteranteil geachtet werden. Bei einem hohen Durchsatz mit Kräutern und Klee kommt es sonst zu großen Verlusten durch Bröckeln aufgrund der mehrmaligen Bearbeitung nach der Mahd. Trotzdem sollte ein Kräuteranteil von 10 Prozent enthalten sein, da Kräuter viele wichtige Mineralstoffe speichern und so den Futterwert des Heus erhöhen.

Das wichtigste Futtergras in der Grünlandwirtschaft ist Deutsches Weidelgras. Gerne gefressen werden ebenfalls Rotschwingel und Kreuzungen zwischen Deutschem und Welschem Weidelgras, Wiesenschwingel und Knaulgras. Diese Gräser sind weitgehend ertragreich und bei angepasster Düngung mit hochwertigem Nährstoffgehalt ausgestattet.

Düngung und Pflege

Nur durch eine angepasste Düngung kann dauerhaft guter Ertrag erzielt werden. Viele moderne Gräser besitzen aufgrund ihrer hohen Leistungsfähigkeit in Bezug auf die Bildung von Biomasse nur eine vergleichsweise geringe Konkurrenzkraft gegenüber sogenannten Unkräutern. Ist der Boden durch häufige Nutzung (Beweidung oder Mahd) ausgelaugt, sind die zähen Unkräuter im Vorteil. Sie können die wenigen Nährstoffe besser umsetzen und schneller aufnehmen und die wertvollen Nutzgräser verdrängen. Außerdem sollte eine regelmäßige Sichtung des Bestandes vorgenommen werden, um rechtzeitig auf eine ungünstige Bestandsverschiebung reagieren zu können.

Unkräuter wie Ampfern oder Disteln sollten vor dem Aussamen sorgfältig entfernt werden, um eine Konkurrenzsituation zu vermeiden und die Qualität der Wiese nicht zu gefährden. Selbstverständlich sollten alle Flächen regelmäßig auf den Besatz von Giftpflanzen untersucht werden. Findet man für das Pferd giftige Pflanzen vor, müssen diese umgehend und wirkungsvoll entfernt werden, um die Tiergesundheit nicht zu gefährden.

Wetterbedingungen beim Aufwuchs

Die Wetterbedingungen in der Aufwuchszeit spielen eine große Rolle. Nur wenn verfügbare Wassermenge, Temperatur und Sonneneinstrahlung insgesamt ausreichen und im optimalen Verhältnis zueinander vorliegen, kann zum Erntezeitpunkt Qualität geerntet werden.

Schnittzeitpunkt

Der Schnittzeitpunkt für Pferdeheu sollte etwas später im Vergleich zur Ernte von Milchviehfutter liegen. Optimal erfolgt die Ernte zwischen Anfang und Mitte der Blüte, wenn der durchschnittliche Rohfasergehalt bei etwa 20 Prozent liegt. Nur in der Fütterung von Stuten und Fohlen eignet sich früher geerntetes Heu, welches weicher und eiweißreicher ist. Der Schnittzeitpunkt hängt aber ebenso vom Wetter ab. Der Boden muss zum Zeitpunkt der Mahd trocken und befahrbar sein, damit keine unnötige Verschmutzung des Erntegutes entsteht. Um den Wassergehalt des Mähgutes ausreichend zu senken, sind weitere Arbeitsschritte wie das Wenden und Zetten nötig. Einen Trockenmassegehalt von mindestens 80 Prozent ohne sonstigen Qualitätsverlust erreicht man nur nach ausreichender Trocknung auf dem Feld bei sonnigem, trockenem Wetter über zwei bis vier Tage. Wird das Heu zu feucht eingefahren, besteht die Gefahr der Schimmelbildung. Außerdem wird der Gärvorgang aus ernährungsphysiologischer Sicht beeinträchtigt.

Verarbeitung und Lagerung

Die weitere Verarbeitung nach Mahd und Trocknung erfolgt durch das Pressen. Eine lose Lagerung ist durch die fortschreitende Technisierung in der Landwirtschaft unüblich geworden, da aufgrund der wachsenden Bestandszahlen zu viel Platz benötigt werden würde. Das Mähgut kann in unterschiedlichen Größen gepresst werden. Je nach betrieblichen Anforderungen sind dies Kleinballen, Rundballen oder Quaderballen. Abhängig von der Pressdichte kann ein Quaderballen bis zu 400 Kilogramm wiegen. Arbeitswirtschaftlich sind meist die Großballen von Vorteil, da im gleichen Zeitraum eine größere Menge bewegt werden kann.

In den ersten sechs bis acht Wochen der Lagerung »schwitzt« das Heu nach. Dadurch wird der Wassergehalt nochmals verringert und die Konservierung der Nährstoffe vollendet. Das Heu gärt außerdem nach, bis sich die Keimflora stabilisiert hat. Dabei erwärmt sich das Heu deutlich, vor allem im Kern. Erst nach dieser Phase kann das Heu bedenkenlos verfüttert werden.

Generell muss der Lagerraum trocken und vor Witterungseinflüssen geschützt sein. Am besten erfolgt die Lagerung so, dass eine ausreichende Lüftung vorhanden ist und kein Feuchtigkeitsstau entsteht. Jeder Ballen sollte vor der Fütterung auf Schimmelnester oder sonstige Qualitätseinbußen kontrolliert werden, um gesundheitliche Störungen durch die Verabreichung von schlechtem Heu zu vermeiden.

Qualitätsmerkmale

Farbe

gutes Heu hat eine frische, grüne Farbe. Eine blasse, bleiche Färbung deutet auf eine späte Ernte, Regeneintrag während der Ernte oder eine lange Lagerung hin. Außerdem kann die verblasste Farbe einen geringen Karotingehalt andeuten. Schwarze oder braune Farbe kennzeichnet eine Überhitzung bei der Lagerung oder Nährstoffverluste. Eine gräuliche Farbe deutet auf Schimmelbefall hin.

Geruch

Ein frischer, »grasiger« Geruch ist das beste Anzeichen für optimale Ernte und Lagerbedingungen und somit für eine gute Futterqualität. Hohe Anteile an Kräutern und Klee können am typisch aromatischen Geruch erkannt werden. Ein unangenehmer, dumpf-muffiger Geruch deutet auf einen Schimmelbefall hin. Solches Heu sollt auf keinen Fall verfüttert werden.

Griff

Je weicher eine Heuportion ist, desto mehr Eiweiß enthält es. Ein rauher Griff bestätigt demnach hohe Rohfaser- und geringere Eiweißgehalte. Ein hoher Stengel-Anteil ist durch ein sperriges Gefühl erkennbar und lässt auf eine verringerte Verdaulichkeit schließen. Fühlt sich Heu feucht und klamm an. Ist es nicht ausreichend durchgetrocknet und sollte nicht verfüttert werden.

Verunreinigungen wie hohe Erdanteile lassen sich leicht durch Sichtung erkennen. Je nach Art und Umfang der Verunreinigung kann diese die Tiergesundheit beinträchtigen.

Gehalte

Die Gehalte im Heu machen die ernährungsphysiologische Qualität aus. Die einzelnen Inhaltsstoffe wie Eiweiß- und Rohfasergehalte können nur im Labor bestimmt werden. Deshalb sollten regelmäßig Futterproben, analog zu den verpflichtenden Bodenproben, gezogen werden. um die Versorgung von Nährstoffen aus dem Grundfutter berechnen zu können und damit die notwendige Ergänzung über das Kraftfutter zu kennen. Mineralstoffreiches Heu mit einem ausgewogenen Verhältnis von Eiweiß, Energie und Rohfaser bildet die beste Grundlage für eine bedarfsgerechte Fütterung.