Wissenswertes zur Rationsbestimmung

Wissenswertes zur Rationsbestimmung

Die Ermittlung des täglichen Bedarfs eines Pferdes erfordert eine komplexe Analyse der Lebensumstände. Viele verschiedene Parameter beeinflussen die notwendige Versorgung und können nur durch eine individuelle Einzeltier-Betrachtung ermittelt werden. Es gibt aber Anhaltswerte, die eine grobe Rationsberechnung möglich machen. Dennoch obliegt es dem Besitzer oder dem Betreuer des Pferdes, durch genaue Beobachtung und Einfühlungsvermögen zu bestimmen, ob das Pferd optimal versorgt wird. Niemals sollte man sich bei Unsicherheiten scheuen, den Rat eines Experten, wie dem Reitlehrer, Stallbesitzer, Tierarztes oder Berater, einzuholen. Denn die Gesundheit und Fitness deines Pferdes hängt unmittelbar mit der bedarfsgerechten Fütterung zusammen.

Beeinflussende Parameter:

Erhaltungsbedarf Der Erhaltungsbedarf bezeichnet den Bedarf eines Pferdes zur Erhaltung der Körperfunktionen, zur natürlichen Bewegung und zur Nahrungsaufnahme.
Alter Ältere Pferde haben einen anderen Anspruch an die Versorgung als jüngere Pferde. Je nach Gesundheitszustand kann zum Beispiel die Energieversorgung deutlich von jener in jüngeren Jahren abweichen.
Geschlecht Vor allem bei Zuchtpferden liegen die unterschiedlichen Ansprüche an eine Ration auf der Hand. Um die Fruchtbarkeit zu unterstützen, ist eine bedarfsgerechte Fütterung richtungsweisend.
Rasse Die Herkunft einer Pferderasse beeinflusst entscheidend die Futterverwertung. So sind Rassen, die sich in kargen Gegenden wie etwa Island oder Shetland entwickelt haben, darauf eingestellt, jede noch so kleine Mahlzeit möglichst gut auszunutzen, da meist nicht ausreichend Nahrung vorhanden war. Auch Kaltblüter gelten als gute Futterverwerter, ganz im Gegensatz zu Vollblütern. Je größer der Bewegungsdrang ist, desto mehr Energie wird verbraucht.
Körpergröße Körpergröße und -oberfläche hängen eng zusammen. So steigt die Körperoberfläche nicht proportional zur Körpergröße, sondern wird im Verhältnis geringer. Dadurch verringern sich Wärmeverluste über die Haut, die das Pferd nicht mehr ausgleichen muss. Körpergröße und -oberfläche hängen eng zusammen. So steigt die Körperoberfläche nicht proportional zur Körpergröße, sondern wird im Verhältnis geringer. Dadurch verringern sich Wärmeverluste über die Haut, die das Pferd nicht mehr ausgleichen muss.
Körpergewicht Pferde mit größerem Lebendgewicht benötigen mehr Energie, um alle Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Ebenso werden mehr Nährstoffe benötigt, um die Substanz aufzubauen und zu erhalten.
Haltungsform Ein Pferd, welches im Offenstall steht, benötigt mehr Energie, da es weitere Wege zu Futter- und Wasserstellen zurücklegt. Ebenso macht es einen Unterschied, ob ein Pferd Koppelgang oder Paddockaufenthalte in seinem Leben integriert.
Leistungsbedarf Zum Leistungsbedarf zählt jener Bedarf, der durch zusätzliche Bewegung oder andere Leistungen wie Gravidität, Laktation oder Wachstum verursacht wird. Der Leistungsbedarf kann bei sehr hoher Beanspruchung mehr als 50% des Erhaltungsbedarfes ausmachen.
Tägliche Arbeit Die Einschätzung der täglich geleisteten Arbeit ist sehr wichtig. Hier sind wichtige Parameter: die Art der Arbeit (Springen, Dressur, Gelände), die Intensität der Arbeit (Springen im oberen Leistungsbereich, eine Anfängerstunde in Dressur oder ein zweistündiger Ausritt) und die Rahmenbedingungen (harter oder weicher Boden, hügeliges oder flaches Gelände, sehr kaltes oder sehr warmes Wetter). Hinzu kommen tierindividuelle Faktoren wie Gebäudemerkmale (fällt Versammlung leicht oder schwer) oder die grundsätzliche Arbeitsbereitschaft.
Besondere Beanspruchung Zu den besonderen Beanspruchungen gehören vor allem Gravidität und Laktation bei erwachsenen Stuten oder die ersten sechs Lebensmonate eines Fohlens. In der Endphase der Trächtigkeit und in den ersten drei Monaten der Laktation hat die Stute einen ähnlichen Energiebedarf wie ein Kutschpferd in der Vorbereitung auf Olympia.
Reiter Auch vom Reiter hängt die geleistete Arbeit ab. Einfühlsame und geschmeidig sitzende Reiter sind leicht zu tragen. Das Reitergewicht beeinflusst selbstredend ebenso den Leistungsbedarf.
Sonstige Faktoren Umwelteinflüsse haben ebenfalls einen Einfluss auf den Gesamtbedarf an Nährstoffen eines Pferdes.
Gesundheitlicher Zustand Nach einem deutlichen Substanzverlust, etwa nach einer schweren Kolik, benötigt das Pferd zur Regenration der Körpermasse eine höhere Energieversorgung. Bei einem ungünstigen Blutbild ist es sinnvoll, die Nährstoffversorgung entsprechend anzupassen.
Stress Durch große Unruhe im Stall, etwa durch eine Änderung der Herde, kann Stress entstehen, welcher an den Kräften des Pferdes zehrt. Aber auch Turnier-Besuch kann Stress für ein Pferd bedeuten. Generell ist Stress ein multifaktoriell bedingter Zustand und sollte unbedingt behoben werden, bevor zu einem möglichen großen Substanzverlust kommt.