Reiterleben

Mobbing im Reitstall

Was ist Mobbing?

Mobbing ist ein aktuelles Thema nicht nur am Arbeitsplatz oder in der Schule. Auch in der Freizeit, zum Beispiel in Sportvereinen, werden immer mehr Menschen wiederholt und regelmäßig schikaniert und erfahren seelische Gewalt durch ihr soziales Umfeld. Das Wort Mobbing leitet sich vom Englischen „to mob“ ab, was frei übersetzt etwa „pöbeln“ oder „belästigen“ bedeutet. Im Deutschen gibt es das Wort „der Mob“ für eine aufgebrachte Menschenansammlung oder im weiteren Sinne für „den Pöbel, das Gesindel“. 

Die Ursachen für Mobbing sind vielfältig. Im Beruf möchte man sich durch die Herabsetzung von Kollegen profilieren, die Konkurrenz wird durch üble Nachrede oftmals in Form falsch dargestellter Tatsachen sozusagen aus dem Weg geräumt.  Häufig geht es dabei um Machtausübung und Selbstdarstellung.

Dieses Phänomen lässt sich auch und gerade im privaten Bereich, gerade in Sportvereinen, beobachten. Personen, die sich im Beruf nicht anerkannt fühlen und sich unterordnen müssen, geben hier ihrem Bedürfnis nach Geltung und Macht Raum. In Reitställen ist dies häufig der Fall.  Hier treffen Personen aufeinander, die außer dem Hobby Reiten zunächst nichts verbindet.  Eine grundsätzliche einheitliche Linie im Zusammenleben auf der Reitanlage gibt es daher nicht. Dann reicht nur eine Person, die die anderen aufbringt. Die Motivationen dafür können, wie bereits erwähnt, in einem unbefriedigten Machtbedürfnis liegen. Personen, die mobben, fühlen sich dadurch stärker und wichtiger. Indem sie andere kritisieren und herabsetzen, machen sie sich in ihrer subjektiven Wahrnehmung größer. Oftmals suchen sich diese Leute eine Gefolgschaft, die sie getreulich in jeder ihrer Äußerungen unterstützt. Dann regieren die Mobber den Reitstall, indem sie durch sozialen Druck die Verhaltensweisen anderer beeinflussen. Werden einzelne Personen aufgrund seines Reitstils, seines reiterlichen Ausbildungsstandes oder seines Pferdes wegen gezielt angegriffen, steckt meistens nur der Neid dahinter. Seltener kann auch der Reitlehrer Auslöser für Mobbing-Aktionen sein, wenn er einzelne Schüler bevorzugt behandelt und diese sich dann befugt fühlen, auf andere herab zu sehen.

Was kann man dagegen tun?

Erkennt man in seinem Reitstall systematisches Mobbing, zum Beispiel das gezielte „Herausekeln“ einzelner Personen aus der Stallgemeinschaft, kann man dagegen vorgehen. Wichtig ist es, die treibende Kraft herauszufinden. Diese Personen, meistens sind es nicht mehr als zwei oder drei, spricht man gezielt auf ihre Aussagen an. Hilfreich ist es, falsche Tatsachen durch konkrete Belege richtig zu stellen. Meistens trifft man im Einzelgespräch auf wenig Widerstand, da die sogenannten Mobber wenig zu ihrer Verteidigung vorbringen können. Dabei gilt: ruhig und sachlich bleiben. Persönliche Angriffe aufgrund der eigenen Wut sind verständlich, bringen die Sachlage aber keinen Schritt weiter. Außerdem stellt man sich dann auf dieselbe Stufe des Mobbers. Eine objektive Schilderung des Problems und die eigene Darstellung der persönlichen Gefühle können helfen,  das Thema aus der Welt zu schaffen.

Ein weiteres Mittel zur Bekämpfung von Mobbing sind Mediationen. Hier werden Mobber und Opfer an einen Tisch gebeten. Ein Streitschlichter fungiert als Moderator und hilft, die eigentlichen Probleme in der Beziehung zwischen beiden Personen herauszuarbeiten. Dann können durch klärende Gespräche Lösungsansätze zur Verbesserung der Situation gefunden werden.

Auf keinen Fall sollte durch Gegen-Aktionen die Situation weiter verschärft werden. Schließlich wollen alle Reiter nur Freizeit mit ihrem Pferd genießen.

Können durch Gespräche keine Verbesserungen erzielt werden, ist der Reitstallbesitzer gefragt. Er sollte sich als Leiter der Stallgemeinschaft sehen und kann ernsten Mobbing-Situationen vorbeugen, indem er klare Verhaltensregeln vorgibt und bereits Ansätze von Mobbing unterbindet. Um die Stallgemeinschaft zu erhalten, kann es sinnvoll sein, einzelnen Personen den Einstellungsvertrag zu kündigen. Denn wenn der Initiator fehlt, kann wieder Ruhe einkehren. Und man kann sich auf das konzentrieren, worauf es ankommt: Die Freude am Reiten und der gemeinsamen Zeit mit seinem Pferd und seinen Freunden!