Verdauung des Pferdes

Verdauung des Pferdes

Was passiert im Maul?

Im Maul wird das Futter durch Kauen zerkleinert. Nur mit gesunden Zähnen und gleichmäßiger Abnutzung beider Kieferhälften ist eine gründliche Vermahlung der Nahrung möglich. Durch die Einspeichelung beim Kauen wird der Nahrungsbrei mit Mineralstoffen und Bikarbonat angereichert, welche zur Abpufferung der Magensäure benötigt werden. Der Speichel des Pferdes enthält keine Enzyme, daher findet im Maul nur die mechanische Verarbeitung des Futters statt. Diese ist wichtig für die weiteren Verdauungsabschnitte, da die Nährstoffe aus den Pflanzenzellen gepresst werden und so leichter im Magen und Darm absorbierbar gemacht werden können.

Info: Um ein kg Heu aufzunehmen, benötigt ein Pferd etwa eine Stunde, für ein Kilogramm Hafer nur etwa 10 Minuten. Daraus folgt eine geringere Einspeichelung von Kraftfutter und somit eine geringere Menge an Bikarbonat, die in den Magen gelangen kann. Außerdem ist die Futtermenge, die auf einmal in den Magen gelangt, bei einer Kraftfutterration wesentlich höher.

Daher sollte Kraftfutter in kleinen Mengen über den Tag verteilt gefüttert werden und ausreichend Heu zur Verfügung gestellt werden. Ansonsten kann es unter anderem zu Fehlgärungen im Magen und weiteren Verdauungskanal kommen.

Was passiert im Magen?

Der Magen ist bei Pferden im Verhältnis zum Körpergewicht relativ klein. Er hat nur ein Volumen von etwa 15–20 Liter. Daher kommt es bei zu großen Kraftfuttergaben aufgrund der kurzen Aufnahmedauer schnell zu Magenüberladungen. Im Magen beginnt die Verdauung durch die sekretierte Magensäure, welche pH-Wert senkend wirkt und somit das Milieu für Enzyme und Mikroorganismen vorbereitet. Es werden leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Zucker und Stärke unter anderem zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut. Diese senken den pH-Wert im Magen zusätzlich ab. Der richtige pH-Wert ist aber maßgeblich für den Ablauf der Verdauung. Durch die Sekretion von Magensaft sinkt er ab und muss durch das im Speichel enthaltene Bikarbonat, welches somit als Puffer fungiert, wieder angehoben werden. Fehlt dieser Puffer und entstehen zu großen Mengen kurzkettiger Fettsäuren, etwa bei hohen Kraftfuttergaben, kommt es zu Übersäuerungen und Folgeerkrankungen wie Magengeschwüre.

Info: Je nach Stärkegehalt maximal 0,5 kg Krippenfutter pro 100kg LG und Futtergabe. Die hygienische Qualität des Kraftfutters muss gesichert sein.

Was passiert im Dünndarm?

In den Dünndarm münden der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse und der Gallengang. Der Pankreassaft und der Gallensaft enthalten Bikarbonate und Alkalien, welche den sauren Mageninhalt neutralisieren, aber auch die notwendigen Enzyme zur Spaltung von Fetten, Proteinen und Kohlenhydraten bereitstellen. Dadurch wird der Dünndarm zum Ort der enzymatischen Verdauung. Das Pferd besitzt keine Gallenblase, daher besteht ein kontinuierlicher Zufluss von Gallensaft in den Dünndarm. Gallensaft enthält nicht nur Mineralien, sondern unterstützt durch die Gallensäuren auch die Fettverdauung. Lange Fütterungspausen sollten also vermieden werden, da der Verdauungsapparat auf kontinuierlichen Durchfluss von Nahrungsbrei ausgelegt ist. Kommt es zu einer Überforderung des Dünndarms aufgrund ungünstiger Zusammensetzung der Mahlzeiten und zu wenig Raufutter, gelangen große Mengen an Fetten und Kohlenhydrate in den Dickdarm.

Info: Kleine und häufige Portionen sind auch deshalb wichtig, weil der Pankreassaft nur kleine Mengen an Enzymen enthält. Vor allem Amylase, welche für die Verdauung von Kohlenhydraten verantwortlich ist, kommt nur in kleinen Mengen vor und kann so auch nur kleine Mengen Nahrungsbrei auf einmal verarbeiten.

Was passiert im Dickdarm?

Der Dickdarm ist die Gärkammer des Pferdes, hier findet die Zerlegung schwer verdaulicher Kohlenhydrate, wie etwa Cellulosen oder Hemicellulosen, statt. Mikroorganismen spalten die Rohfaser zu flüchtigen Fettsäuren, die über die Darmschleimhaut in den Körper aufgenommen werden. Die Mikroflora hängt stark von dem vorherrschenden pH-Wert sowie den angebotenen Nährstoffen ab. Geringe Mengen an Proteinen sind notwendig, um die Bakterienverdauung aufrecht zu erhalten. Zu hohe Mengen an leicht verdaulichen Kohlenhydraten führen zu einer vermehrten Produktion von Milchsäure. Diese senkt den pH-Wert im Dickdarm zu sehr ab, sodass die Mikroorganismen nicht mehr arbeiten können und absterben. Auch zu hohe Fettmengen mindern die gewünschte mikrobielle Aktivität. Die optimale Verarbeitung hängt aber auch von der richtigen Passagegeschwindigkeit des Nahrungsbreis, dem richtigen Verhältnis der enthaltenen Nährstoffe und der Pufferkapazität des Darmlumens ab. Nur wenn diese stimmen, können die Bakterien diejenigen Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren synthetisieren und extrahieren, die das Pferd braucht.

Info: Die Zusammensetzung der Mikroflora im Dickdarm gleicht der Mikloflora im Pansen der Kuh. Den mikrobiellen Abbauprozess nennt man Fermentation. Durch bestimmte Stoffe wie Hefen oder Inulin kann dieser Prozess unterstützt werden.